Auf die Freundschaft

Winzersoap Teil 10: Zeit für Freundschaft

Während unser Most stürmisch in den Fässern gärt, bleiben für uns Routineaufgaben, die wir akribisch erledigen, um das Ergebnis zu erzielen und den Wein herzustellen, der uns vorschwebt. Denn selbst, wenn der Gärprozess von alleine abläuft, gibt es immer etwas zu tun. Wir überprüfen die Gärgaskonzentration im Keller und kontrollieren den Nährstoffgehalt im Most. Obwohl die Arbeiten, die rund um die Fässer anfallen anstrengend sind, bleibt doch genug Zeit, sich der Freundschaft zu widmen.

Freundschaft ist eine Bereicherung

Wir lieben es, uns mit Menschen zu umgeben, die uns etwas bedeuten. Freunde bereichern unser Leben. Deshalb laden wir gerne zu uns ein, um in großer Runde bei gutem Essen und der ein oder anderen Flasche Wein gemütlich beisammen zu sitzen. Seit ich 1999 als Privatwinzer in Udvari am Plattensee angefangen habe, habe ich viele Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen.

Ein Fest der Freundschaft

Eine liebgewordene Tradition ist unser alljährliches gemeinsames Abendessen im Gasthaus "Huszár" in Örvényes, zu dem unsere Freunde ebenso eingeladen sind, wie wichtige Partner und Menschen, die uns seit Jahren betreuen und unterstützen. Mit insgesamt 24 Leuten feiern wir bis der Gasthausbesitzer, der nebenbei auch Bürgermeister der Gemeinde ist, gegen 23:00 Uhr zum Zapfenstreich bläst. Glücklich und ein wenig weinselig treten wir den Rückweg zum Weingut an. Das laue Herbstwetter, dem das Unwetter zu Beginn der Lese Platz gemacht hat, macht den 2,5 km langen Rückweg zu einem angenehmen Spaziergang.

Besuch aus Deutschland

Wir laden regelmäßig Freunde aus Deutschland auf unser kleines Weingut am Nordufer des Plattensees ein. Und häufig folgen unsere Freunde der Einladung. Schon am Tag nach unserem Abendessen trifft ein guter Freund aus Regensburg in Udvari ein. Wie sich schnell herausstellt, ist er wie gemacht für einen Urlaub auf dem Weingut. Ohne ein Wort der Sprache zu beherrschen, versteht er sich prima mit den Einheimischen und findet sich problemlos zurecht. Vermutlich überwindet er mit seiner Liebe zur ungarischen Küche auch noch die letzten Sprachbarrieren. Gemeinsam genießen wir das hervorragende Herbstwetter, das uns einige goldene Tage schenkt. Gemeinsam erledigen wir die Aufgaben, die während seines Aufenthalts anfallen und genießen die Früchte unserer Arbeit. Gemeinsam kann das Leben so schön sein.

To be continued... 

Hier geht es zu den anderen Teilen unserer Winzersoap:
Winzersoap Teil 1: Traubenlese & Winzerromantik?
Winzersoap Teil 2: Zucker & Matsch 
Winzersoap Teil 3: Zeit ein Fass aufzumachen
Winzersoap Teil 4: Gespräche im Weinberg
Winzersoap Teil 5: Feste feiern, wie sie fallen
Winzersoap Teil 6: Die Saignée Methode
Winzersoap Teil 7: Der Duft nach Hefe
Winzersoap Teil 8: Die Killer sind los… Reinzuchthefen on the loose
Winzersoap Teil 9: Stürmische Gärung und ein untragbarer Hut


Gärung in Fässern

Winzersoap Teil 9: Stürmische Gärung und ein untragbarer Hut

Sie erinnern sich, dass im achten Teil unserer Winzersoap die Reinzuchthefen in unseren Fässern wüten und alles zerstören, was nicht ist wie sie? Und was mache ich derweil? Einen Tag Pause. Denn während es in unseren Fässern langsam zu blubbern anfängt - ein sicheres Zeichen für die einsetzende Gärung - möchte ich diesen Prozess keinesfalls durch mechanische Behandlung der Maische gefährden. Die Kellertemperatur liegt konstant bei 19 Grad. Ich bin zufrieden und genieße den freien Sonntag.

Sturm und Tresterhut

Schon am nächsten Tag blubbert es vernehmlich aus den Fässern und die Kellertemperatur ist auf 20 Grad angestiegen. Langsam steigen die ersten Schalen durch den Most nach oben und verklumpen miteinander. Diesen Schalenklumpen nennt man Tresterhut und in den kommenden Tagen gehört es zu meinen vornehmlichen Aufgaben, diesen Tresterhut zu zerbrechen und feucht zu halten. Dazu pumpe ich zweimal täglich - morgens und abends - die Hälfte des im Fass befindlichen Mostes über den Tresterhut. Dann breche ich die verklebten Schalen auseinander. So strömen möglichst viel Aromen und Farbstoffe aus dem Trester direkt in den Most.

In den kommenden Tagen nimmt diese Arbeit circa drei Stunden meines Arbeitstages in Anspruch. Man nennt diesen Zeitraum in dem die Temperatur im Keller weiter bis auf 23 Grad steigt auch stürmische Gärung. Der stürmisch blubbernde Most entwickelt derweil Temperaturen von über 30 Grad. Most der in dieser Zeit aus dem Fass entnommen wird, trägt in Österreich den passenden Titel "Sturm". Wie Sie sehen sind Stürme und Hüte also nicht nur Themen auf der Londoner Fashionweek.

Gärung ist Physik

Vielleicht habe ich im ersten Absatz ein falsches Bild vermittelt, aber so gemächlich wie an besagtem Sonntag geht es während des Gärprozesses sonst nicht zu. Der Most macht die Arbeit schließlich nicht allein. Ständig prüfe ich die physikalischen Parameter, die Gärgaskonzentration und den Nährstoffgehalt des Mostes und beobachte den Verlauf der Gärung. Nach circa drei Tagen ist die stürmische Gärung vorbei und ich kann den malolaktischen Gärprozess parallel zur alkoholischen Gärung enzymatisch einleiten. Puh.

Aber was bedeutet das jetzt überhaupt? Eigentlich ist es ganz einfach: dieser sekundäre Gärprozess führt zu einem biologischen Säureabbau und damit im Endeffekt zu einem harmonischeren und ausgewogeneren Geschmacksbild meiner Rotweine. Also alles eine Frage der Qualitätssteigerung. Aber wie bei allen Dingen muss man auch hier bedächtig zu Werk gehen. Denn viel hilft nicht viel. Im schlimmsten Falle entwickelt der Wein durch eine zu weit getriebene malolaktische Gärung einen käsigen Beigeschmack. Und das kann ja wirklich keiner wollen. Schließlich essen wir den Käse lieber zum Wein.

To be continued...

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Winzersoap Teil 2: Zucker & Matsch 
Winzersoap Teil 3: Zeit ein Fass aufzumachen
Winzersoap Teil 4: Gespräche im Weinberg
Winzersoap Teil 5: Feste feiern, wie sie fallen
Winzersoap Teil 6: Die Saignée Methode
Winzersoap Teil 7: Der Duft nach Hefe
Winzersoap Teil 8: Die Killer sind los... Reinzuchthefen on the loose

 


Reinzuchthefen in Weinfässern

Winzersoap Teil 8: Die Killer sind los... Reinzuchthefen on the loose

In der letzten Folge der Winzersoap hatte ich ja schon eingängig über die Hefen berichtet, die für den Gärprozess in Einsatz kommen. Und über die Gefahren, die dem Winzer in seinem eigenen Weinkeller auflauern. Sie erinnern sich? Die Kerzen. Aber das ist noch lange nicht alles. Denn die Reinzuchthefen, die ich für den Gärprozess nutze, sind im wahrsten Sinne des Wortes Killer.

Killer-Phänotypen in die Fässer

Das klingt jetzt erst einmal ziemlich martialisch. Und ehrlich gesagt ist es das auch. Zumindest für die wilden Hefen, die sich während des Gärprozesses in den Fässern bilden. Denen wird nämlich der Garaus gemacht. Sobald ich die ausgewählten Reinzuchthefen in die Fässer einbringe, zerstören sie die wilden Hefen um sich im Anschluss intensiv zu vermehren. Die Vermehrung kann man durch die gezielte Versorgung durch Nährstoffe während der Gärung noch weiter begünstigen.

Was hat ein nachhaltiger Winzer gegen wilde Hefen?

Diese Frage darf ja mal gestattet sein. Man sollte annehmen, dass gerade eine Weinmacherfamilie, die so viel Wert auf Nachhaltigkeit und Handarbeit legt auch mit den bestehenden, also natürlichen Hefen arbeiten sollte oder? Tatsächlich ist die Vergärung der Maische mit wilden Hefen eine der zahlreichen und sich ständig ändernden Moden in der Weinherstellung. Aber nur weil etwas natürlich entsteht, heißt das nicht automatisch, dass das Ergebnis, also der Wein auch genießbar ist. Im schlimmsten Falle schmeckt das Getränk, das man kaum noch als Wein bezeichnen mag, zum Davonlaufen.

Spurensuche: so finde ich die richtigen Reinzuchthefen

Da mein Ziel die Herstellung richtig guter Weine und nicht ungenießbarer Getränke ist, überlasse ich die Gärung also nicht dem Zufall. Bereits vor der Lese versuche ich herauszuschmecken, was in den Trauben steckt und in welche Richtung sich der Wein, den ich aus diesen Traube gewinne, entwicklen könnte. Natürlich verlasse ich mich nicht nur auf meine Geschmacksnerven, sondern ergänze meine subjektiven Annahmen durch objektive Messergebnisse. Fruchtzuckergehalt, Säuregehalt, der ph-Wert und ähnliche Werte geben Aufschluss über die passenden Reinzuchthefen. Bis ich die richtigen Hefen für meine Trauben ermittelt habe, können einige Tage ins Land ziehen. Erst wenn ich absolut sicher bin, die richtigen Hefen für meine Jahrgänge gefunden zu haben, bin ich zufrieden.

Für jede Rebsorte die passende Hefe

Natürlich verwende ich auch nicht eine Reinzuchthefe für alle Rebsorten, sondern ermittle die Hefe zu jeder Rebsorte im jeweiligen Jahr. Denn die Hefe, die das beste aus meiner Gratz Merlot »M« holt, muss nicht auch automatisch dem Gratz Cabernet Sauvignon »C« schmeicheln. Sind schließlich zwei ganz unterschiedliche Typen. Deswegen versteht es sich für mich auch von selbst, dass bei meiner Gratz Cuvée »X« nicht die Rebsorten gemeinsam vergäre, sondern die Weine sortenrein ausbaue, um daraus im Folgenden die Cuvée zu kreieren. Wie die Gold- und Silbermedaille beim awc vienna Tasting zeigen, liege ich mit meiner Herangehensweise vermutlich gar nicht so falsch.

To be continued...

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Winzersoap Teil 6: Die Saignée Methode
Winzersoap Teil 7: Der Duft nach Hefe


Hefe in Weinfässern

Winzersoap Teil 7: Der Duft nach Hefe

Heute riecht es im ganzen Haus köstlich nach Hefe. Jedoch nicht, weil Dorothee oder ich ganz antizyklisch Lust auf ungarisches Osterbrot bekommen haben. Vielmehr werden heute die Reinzuchthefen für unsere Weine angesetzt. Für jede Rebsorte haben wir eine eigene Hefe gewählt, die den Gärungsprozess der jeweiligen Sorte ideal unterstützt.

Hefe ansetzen

Die Reinzuchthefen kommen als Granulat zu uns. Um sie zu aktivieren und an den hohen Zuckergehalt des Traubensafts in den Fässern zu gewöhnen, setzen wir die Hefe erst in 37 Grad warmer Zuckerlösung an. Dafür streuen wir das Granulat vorsichtig in die Lösung und bringen es durch vorsichtiges Einrühren langsam in die Schwebe. Nach 20 Minuten hat sich die Hefe bereits stark vermehrt und kann nun den Weg in den Weinkeller antreten. Das muss schnell gehen, da starke Temperaturschwankungen zu einem Schock führen und die Kultur zerstören könnten.

Aus Zucker wird Alkohol

Über Stehleitern gelangen wir an unsere Fässer, in die wir die Reinzuchthefen geben. Natürlich schütten wir nicht einfach π x Daumen Hefe in die Fässer. Die Mengen haben wir zuvor genau errechnet, um das Ergebnis zu erzielen, das wir uns wünschen. Die Fässer werden nun verschlossen und mit Gärspunden versehen, damit das in den Fässern entstehende Kohlendioxid entweichen, jedoch keine Luft in die Fässer gelangen kann. Das ist wichtig, damit die Fässer im Gärprozess nicht explodieren und gleichzeitig die Oxidation der Maische durch die Berührung mit Sauerstoff verhindert wird. Durch den nun einsetzenden Gärprozess wird der hohe Zuckergehalt im Traubensaft in Alkohol umgewandelt.

Gefährliche Dämpfe

Während des Gärprozesses in den Fässern werden Gärgase freigesetzt, die für uns Winzer eine nicht zu vernachlässigende Gefahrenquelle darstellen. Die normalen Gärgerüche, die man aus Weinkellern kennt, lassen dabei keinerlei Rückschlüsse auf die Gärgaskonzentration zu. Denn die Gärgase sind absolut geruchsneutral und bereits ab einer Konzentration von 9% in der Luft innerhalb von 10 Minuten tödlich. Die Gärgase die schwerer als Luft zu Boden sinken, breiten sich langsam wie ein ansteigender See aus. Dabei führen die Gase erst zu einer munteren Berauschtheit, die jedoch innerhalb kürzester Zeit zu starker Benommenheit und anschließender Ohnmacht bis hin zum Erstickungstod führen.

Gärgase und Kerzenschein

Aber wie kann man dieser Gefahr entgehen? Häufig werden Kerzen verwendet, deren Flamme bei zu hoher Kohlendioxid-Konzentration einfach erlischt. Sollten Sie jedoch mit dem Gedanken spielen, den Beruf des Winzers zu ergreifen, möchte ich Ihnen von dieser Methode dringend abraten. Denn die Flamme der Kerze erlischt erst ab einer 14%igen Gärgaskonzentration und da ist es für den Menschen leider schon zu spät. Die Kerze ist also als Lebensretter absolut ungeeignet. Damit wir auch im Folgejahr noch einen Jahrgangswein anbieten können, setzen wir daher auf die gute Durchlüftung des Weinkellers, ein ständiges Absaugen der Gärgase und ein Kohlenstoffdioxid-Warngerät. Ist zwar um einiges weniger romantisch, als ein Weinkeller im Kerzenschein, aber Sie wissen ja wie weit es mit der Winzerromantik her ist. Und wir hängen einfach zu sehr an unseren Leben.

To be continued...

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Winzersoap Teil 1: Traubenlese & Winzerromantik?
Winzersoap Teil 2: Zucker & Matsch 
Winzersoap Teil 3: Zeit ein Fass aufzumachen
Winzersoap Teil 4: Gespräche im Weinberg
Winzersoap Teil 5: Feste feiern, wie sie fallen
Winzersoap Teil 6: Die Saignée Methode


Plattensee: hier wird der Wein im Saignée Verfahren hergestellt.

Winzersoap Teil 6: Die Saignée Methode

Die Reben sind geleert und die Trauben in ihren Fässern. Genau wie unsere Helfer hat nun auch die Maische Pause. Denn neben harter Arbeit ist Wein eben auch Geduld. Erst nachdem die Maische geruht hat, stellen wir unseren Wein im natürlichen Saignée Verfahren her.

Die Maische mag es kühl

Trotz stetig steigender Außentemperaturen ist es uns gelungen den Keller mit den Fässern bei kühlen 10 Grad zu halten. So verhindern wir die vorzeitige Gärung und die Maische intensiviert weiter in Aroma und Farbe. Unsere Aufgabe besteht nun darin, einige physikalische und chemische Parameter zu prüfen. Wir kümmern uns um die Temperatur, messen den ph-Wert und prüfen Zucker- und Säuregehalt, bevor wir die Maische für die nächsten zwei Tage ruhen lassen.

Freizeit am wunderschönen Plattensee

Dann haben auch wir es fast geschafft. Nur noch ein paar kleinere Handgriffe, um das Weingut wieder auf Vordermann zu bringen. Am späten Nachmittag haben wir endlich Zeit für uns. Wir gönnen uns ein erfrischendes Bad im Plattensee. Eine willkommene Erholung, nach den Anstrengungen der vergangenen Tage. Neben der idealen Bodenbeschaffenheit des Balatonfüred-Csopak für unsere Rebsorten ist die Lage unseres Weinguts inmitten des Naturschutzgebiets am nördlichen Ufer des Plattensees auch für die Seele einfach ein Gedicht.

Die nächsten Schritte

Erst am Abend des zweiten Tages gibt es wieder weinbezogene Aufgaben für uns. Denn jetzt ist es an der Zeit, der Maische "einzuheizen" und den Gärprozess in Gang zu setzen. Mit einer Elektroheizung erhöhen wir die Temperatur im Keller langsam auf 18-20 Grad.

Ausbluten lassen: Die Saignée Methode

Um den Wein zu verdichten, lassen wir aus allen Fässern dunkel-rosa Traubensaft ab. Mit dieser traditionellen Methode, die unter dem Begriff Saignée Methode (saigner bedeutet tatsächlich bluten) bekannt ist, verändern wir das Verhältnis von Saft zu Schalen. Denn in den Schalen finden sich die intensivsten Aromen und Tannine, die den vollen Geschmack unserer Weine ausmachen. Auch die tiefrote Tönung erhält der Wein durch die Farbstoffe der Beerenhäute.

Aus Saft wird Clairet

Und der abgelassene Saft? Den vinifizieren wir wie einen klassischen Weißwein. Das Ergebnis ist ein Clairet, eine vollere Geschmacksvariante des Roséweins. Denn Rosé wird, anders als man vielleicht annehmen möchte, nicht durch die Melange roter und weißer Trauben erreicht, sondern ausschließlich aus roten Trauben gewonnen.

Die Saignée Methode, das natürlichste Verfahren zur Weinherstellung, ermöglicht uns also überdies die besonders nachhaltige Verwertung unserer Trauben. Das freut uns nicht nur, weil wir einen frischen Clairet erzeugen, sondern vielmehr, weil der Nachhaltigkeitsgedanke Grundbaustein unserer Unternehmensphilosophie ist.

To be continued...


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Winzersoap Teil 2: Zucker & Matsch 
Winzersoap Teil 3: Zeit ein Fass aufzumachen
Winzersoap Teil 4: Gespräche im Weinberg
Winzersoap Teil 5: Feste feiern, wie sie fallen


Feste feiern mit vollen Fässern

Winzersoap Teil 5: Feste feiern wie sie fallen

Eigentlich soll man die Feste ja feiern, wie sie fallen. Heute ist mein Geburtstag. Ich werde 57 und bin damit noch einer der Jüngsten in unserer "Rentnergang". Nur Imre, der Vorarbeiter, ist jünger als ich. Statt festlich fühle ich mich jedoch grüblerisch.

Düstere Zukunftsvisionen

Was soll mit den Weinbergen passieren, wenn wir die harte Handarbeit nicht mehr stemmen können? Maschinelle Grünarbeit mit den einhergehenden Qualitätseinbußen? Will ich das? Teure Maschinen, deren Anschaffung bei zwei Hektar finanziell nicht machbar ist. Also muss das Weingut um jeden Preis wachsen? Zum Glück reißt mich der Wecker aus meinen düsteren Gedanken.

Es gibt was zu feiern

Meine gute Laune kehrt zurück und ich stürze mich ins Leben. Gefeiert wird heute nicht. Jedenfalls nicht mein Geburtstag. Dafür aber das Ende der Ernte. Denn als sich unser Arbeitstag dem Abend zuneigt, sind alle Fässer voll. An den Reben sind nur knapp 400-500 kg Trauben verblieben. Ich rufe meine Freunde aus dem Dorf an und lade sie ein, die letzten Trauben für ihren eigenen Hauswein zu lesen. Wäre doch schade, wenn sie an den Reben verrotteten.

Fast geschafft

Als ich mich von den Helfern verabschiede, stellt sich allgemeine Erleichterung ein. Was ein großartiger Abschluss für unsere gemeinsamen Anstrengungen. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse und der technischen Probleme am ersten Tag sind wir pünktlich fertig geworden und wurden auch noch mit tollem Wetter belohnt. Wir besprechen, wann wir uns für das Abpressen der Maische wieder treffen und verabschieden uns mit den besten Wünschen.

Ein schöner Abschluss

Nachdem der Dreck des Tagewerkes unter einer heißen Dusche abgespült wurde, gibt es dann doch noch ein klitzekleines Fest. Dorothee, unsere Freunde und ich treffen uns in der Landgaststätte des Dorfes, zum Geburtstagsabendessen. Wir lassen es uns richtig gut gehen und trinken ein Glas Wein auf die anstrengenden und wunderschönen Tage, die hinter uns liegen.

To be continued...


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Winzersoap Teil 1: Traubenlese & Winzerromantik?
Winzersoap Teil 2: Zucker & Matsch 
Winzersoap Teil 3: Zeit ein Fass aufzumachen
Winzersoap Teil 4: Gespräche im Weinberg


Weinberg in der Sonne

Winzersoap Teil 4: Gespräche im Weinberg

Unerbittlich klingelt um 5:00 Uhr der Wecker. Zeit sich für den Weinberg fertig zu machen. Ein Blick aus dem Fenster lässt hoffen: es ist trocken und die Sterne sind noch am klaren Himmel zu sehen. Pünktlich um 7:00 sind wir dann alle versammelt: Imre, der Vorarbeiter, Gábór, unser Alleskönner, unsere neun Helfer und unsere beiden Freunde aus Deutschland.

Weinberg-Rituale

Für alle die mögen, gibt es den traditionellen Motivationsschnaps, auch wenn er heute gar nicht nötig wäre, denn die Stimmung ist super. Wir stürzen uns mit Elan in unsere Aufgaben und die Lese schreitet zügig und problemlos voran. Wir sind so vertieft in unsere Tätigkeiten, dass wir fast das Mittagessen verpasst hätten. Doch der Duft von Dorothées Orientalischer Nudelpfanne lockt uns ins Versorgungszelt.

Nicht nur Helfer, sondern Menschen mit Geschichten

Neben mir sitzt Zoli. Wir kennen uns seit Jahren und trotzdem weiß ich nur wenig über ihn. Während der duftende Kaffee und das selbstgemachte Tiramisu auf den Tisch kommt, bitte ich ihn mir von sich zu erzählen. Er ist 70 Jahre alt und hätte bestimmt viel zu berichten, aber er möchte erst nicht. Da gäbe es nichts sagt er. Und dann beginnt er doch.

Zoli´s Geschichte

In den späten 60ern, gerade jung verheiratet und auf dem besten Weg ein frisch gebackener Vater zu werden, wurde Zoli verhaftet. Nach seiner Entlassung konnte er einfach keine Arbeit mehr finden. Schließlich verließ ihn seine Frau mit den mittlerweile zwei Kindern. Nach langer Suche fand Zoli dann einen Job als Bergarbeiter und ging nebenbei in die Weinberge.

Als die Rente kam, stellte er fest, dass sie vorne und hinten nicht ausreichte und er kehrte zurück in die Weinlese. Bis heute habe er keinen Kontakt mehr zu seinen Kindern, erzählt er. Zu Hause warte niemand auf ihn. Also was solle man da schon erzählen?  Er sagt das mit einem Lächeln. Mir ist das Lächeln vergangen.

Trotzdem ist es mir wichtig, diese Geschichten zu hören und weiterzugeben, denn das Leben meiner Helfer ist mir nicht egal. Sie sind hier nicht nur als Arbeiter, sondern als Menschen. Auch das bedeutet Teamarbeit für mich. Zuhören und da sein.

Zurück in den Weinberg

Lächelnd klopft mir Zoli auf die Schulter und reißt mich damit aus meinen Gedanken. Weiter gehts, die Arbeit macht sich nicht von allein sagt er und zieht mich mit. Es ist richtig warm geworden und unter der angenehmen Herbstsonne geht die Arbeit viel leichter von der Hand. Alles läuft wie am Schnürchen. Die Hindernisse des ersten Tages sind vergessen.

Feierabend

Trotzdem sind wir um 17:00 Uhr rechtschaffen müde. Als die Arbeiter gegangen sind und während Dorothée mit Réka, unserer Hündin, eine Runde dreht, lasse ich mich auf der Veranda nieder, genieße die Sonne und ein oder höchstens zwei Gläschen Wein.

To be continued...

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Winzersoap Teil 1: Traubenlese & Winzerromantik?
Winzersoap Teil 2: Zucker & Matsch 
Winzersoap Teil 3: Zeit ein Fass aufzumachen


Weinfass

Winzersoap Teil 3: Zeit ein Fass aufzumachen

9:15. Die Sonne ist tatsächlich rausgekommen. Nie wieder zweifle ich an Wetterapps. Fast noch wichtiger: auch unsere Abbeer- und Maischmaschine läuft, seit Gábór die lockeren Schrauben, die uns kurzfristig in Angst und Schrecken versetzt haben, mit wissendem Lächeln festgezogen hat. Es ist gut, ein Multitalent in den eigenen Reihen zu wissen.

Wird etwa doch noch alles gut?

Während die Maische in unsere Fässer fließt, kommt die Lese in vollen Gang. Die schlechte Laune hat sich mit dem Regen verzogen und alle verrichten konzentriert ihre Arbeit. Pünktlich zur Mittagszeit legt sich auch der starke Wind, der das Versorgungszelt am Morgen bereits einmal umgerissen hatte. Dank Gaffertape und Reserve-Weinpflöcken steht es jetzt aber wieder wie eine Eins. Und auch der Bohnengulasch und unser Wein stehen bereits für die fleißigen Helfer auf den Tischen bereit. Gemeinsam nehmen wir an den Biergarnituren Platz und lassen es uns schmecken.

Ein tolles Team

Bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen besprechen wir die Arbeitsschritte und Planung für den Nachmittag, bevor sich jeder wieder mit vollem Elan in seine Arbeit stürzt. 15 Leute sind wir insgesamt, neben zehn Helfern und Gábór, haben zwei Freunde aus Deutschland Dorothee und mich begleitet und unterstützen uns nun tatkräftig. Ich freue mich, mit Menschen Hand in Hand zu arbeiten, von denen ich jeden einzelnen schätze. Ich bin mir sicher, dass nicht nur das Klima der Region, sondern auch das unter den Mitarbeitern in den Geschmack unserer Weine einfließt.

Es läuft...

Nicht nur Zwischenmenschlich läuft alles glatt. Ich prüfe meinen Traubenmost und das Mostgewicht liegt bei 100° Oechsle. Damit habe ich mehr als 100 Gramm Zucker pro Liter. Klingt süß, ist es aber eigentlich gar nicht, denn der Zucker wird später in Alkohol umgewandelt, also alles perfekt. Ich werde keinen ungarisch-pfälzischen Mavrodaphne anbieten müssen.

Als wir am Abend die Bütten auswaschen und die Maschinen und Schläuche reinigen, haben wir insgesamt 4.400 Liter Maische in unseren Fässern. Ich bedanke mich bei meinen Helfern und als alle nach Hause gegangen sind, setze ich mich mit Dorothee und unseren Freunden auf die sonnenwarme Terrasse und lasse mir ein Bier schmecken. Wer sagt denn auch, dass es immer nur Wein sein darf?

Glücklich, aber von der harten Arbeit geschafft, verabschieden wir uns bald und legen uns schlafen. Denn morgen klingelt der Wecker unerbittlich um 5:00 Uhr. Mit ins Bett nehmen wir unsere neuste Erkenntnis, dass man den Tag vielleicht nicht vor dem Abend loben, aber genauso wenig verteufeln sollte.

To be continued...

Hier geht es zu den anderen Teilen unserer Winzersoap:
Winzersoap Teil 1: Traubenlese & Winzerromantik?
Winzersoap Teil 2: Zucker & Matsch 


Winzersoap Teil 2

Winzersoap Teil 2: Zucker & Matsch

Da helfen weder Schnaps noch gutes Zureden. Es hat sich eingeregnet. Und natürlich den Boden komplett durchweicht. Die Gummistiefel sinken bei jedem Schritt tief ein und machen ein schmatzendes Geräusch, wenn man sie mit ganzer Kraft aus dem Matsch zieht. So macht Arbeiten Spaß. Aber hilft nichts. Drei Tage haben wir. Heute beginnen wir mit dem ersten Feld Cabernet. So viel also zum tiefroten Kavalier... Uns begrüßt er nicht sonderlich charmant.

In die Reben

Wir verteilen 80 Lesebütten zwischen den Reben. Alle ziehen die Kapuzen noch weiter ins Gesicht, dann rücken die Frauen mit den Rebscheren aus, während die Männer die Abbeer- und Maischmaschine aus dem Abstellraum holen und aufbauen. Kaum ist die Maschine an den Starkstrom angeschlossen, tut sich... gar nichts. Die Maschine läuft nicht an. Dabei war letztes Jahr alles noch in Ordnung. Ist der E-Motor kaputtgegangen? Das wäre das Ende des Jahrgangs 2017.

Zu viel Zucker, zu viel Matsch

OK. Panik ist gerade nicht der beste Berater. Aber angebracht ist sie trotzdem ein wenig. Zusammenreißen. Nach Fehlern suchen. Um 8:00 - es schüttet noch immer - haben wir das Problem lokalisiert. Da scheint sich Traubenzucker aus dem letzten Jahr festgesetzt zu haben, der nun die Antriebswelle und den Antriebsriemen verklebt. Offenkundig hat auch Mary Poppins mit ihrem "Löffelchen voll Zucker" nicht uneingeschränkt Recht.

Aber das ist nichts, was man nicht mit einem ordentlichen Schwung lauwarmem Wasser beheben könnte. Und siehe da: die Maschine läuft. Aber viel zu langsam. Das darf doch nicht wahr sein. Ist das jetzt ein Stromproblem oder vielleicht doch der E-Motor? Neben uns stapeln sich die gefüllten Bütten und die mürrischen Arbeiter. Nichts geht voran.

Der Magier

Inzwischen ist es 9:00 Uhr und weder eine Lösung, noch ein Ende des Regenschauers sind in Sicht. So viel zur Zuverlässigkeit von Maschinen und Wetterapps. Hingegen absolut zuverlässig: Gábór, unser Traktorfahrer, Maschinenschlosser, Elektrotechniker, Pflanzenschutzfachwirt, Lichtblick. Er schaut in unsere langen Gesichter, dann in die Maschine. Ein Handgriff und die Maschine schnurrt wie ein Kätzchen. Gábór schüttelt belustigt den Kopf - nur zwei Schrauben locker - das muss man doch sehen.

Es ist 9:15 Uhr. Der Himmel reißt auf.

 

Den ersten Teil der Winzersoap verpasst? Hier nachlesen.


2019: So wird das Weinjahr

2018 war ein ganz besonderes Jahr für uns, schließlich haben wir unsere Weine erstmals offiziell präsentiert. Dazu gab es bereits zwei Feste, viel zu tun und jede Menge Neues zu erleben, sodass die letzten Monate wie im Flug vergangen sind. Aber bevor wir jetzt mit genauso viel Schwung ins Weinjahr 2019 starten, möchten wir Ihnen einen kleinen Ausblick auf unsere Pläne, Ideen und Visionen für die nahe Zukunft geben.

Der aktuelle Jahrgang

Unsere Weine stellen wir in Handarbeit in nummerierten Kleinstauflagen her. Daher lohnt es sich, nicht zu lange zu zögern. Die aktuellen Jahrgangsweine können Sie hier oder in unserem Hofladen in Waldsee bei Speyer, in der wunderschönen Pfalz kaufen. Auch wenn Sie nicht aus der Nähe kommen: die Pfalz ist immer eine Reise wert. Ansonsten gibt es auch immernoch unseren Online-Shop.

Wenn Sie den Gratz Cabernet Sauvignon »C«, den Gratz Merlot »M« oder den Gratz Cuvée »X« näher kennenlernen möchten, dürfen Sie sich freuen. Wir können Ihnen zwar leider kein virtuelles Glas reichen, werden Ihnen unsere Typen aber peu a peu genauer in unserem Blog vorstellen. Sie möchten wissen, wer die Gesichter zu den Weinen sind, warum wir unsere Weine wie Menschen vorstellen und was ihre Vorlieben sind? Dann schauen Sie regelmäßig hier auf dem Blog vorbei oder abonnieren Sie unseren Newsletter.

Außerdem möchten wir mit unseren Weinen auch wieder zu Ihnen kommen. Das ein oder andere Wein-Event ist für 2019 bereits in Planung. Und Sie dürfen gespannt sein: wir werden uns wieder ein paar Überraschungen einfallen lassen.

Das Winzerleben

Wenn Sie schon ein wenig auf unserer Seite gestöbert haben, ist es Ihnen sicher bereits aufgefallen: wir möchten Sie gerne mitnehmen, Ihnen zeigen, was es heißt, Weinmacher zu sein und Sie am Herstellungsprozess so weit wie möglich teilhaben lassen. Vielleicht haben Sie Teil 1 unserer "Winzersoap" bereits gelesen? Diese werden wir fortführen, um Sie mit einem zwinkernden Auge mit auf die Reise zu nehmen und Ihnen zu zeigen, was alles passiert, bis aus der Traube ein Wein wird.

Sie haben Fragen oder möchten etwas genauer wissen? Dann schreiben Sie uns und wir versuchen Ihre Frage in einem Blogbeitrag zu beantworten. Wir sind gespannt.

Der Jahrgang 2018

Aktuell reift der Jahrgang 2018 in unseren Fässern. Fünf mal zieht er insgesamt um, bis er seine Klarheit und besondere Farbe erreicht hat. Erst dann wird er in Flaschen abgefüllt. Daher müssen Sie sich auch noch ein wenig gedulden, bis wir Ihnen den Jahrgang 2018 vorstellen können. Schonende Verfahren benötigen ihre Zeit und wir möchten dem Wein alle Zeit lassen, die er braucht, um seinen vollen Geschmack zu entfalten.

Ab Mai beginnen wir mit der Abfüllung. Wir sind selbst sehr gespannt auf das Ergebnis und werden uns auch für unseren neuen Jahrgang eine außergewöhnliche Präsentation einfallen lassen. Wie die aussehen wird? Das wissen wir selbst noch nicht, denn dafür lassen wir uns vom Geschmack inspirieren.

Die Lese & Vinifizierung

Im Herbst zieht es uns dann wieder aus der Pfalz an den Plattensee. Denn zur Lese sind wir natürlich vor Ort und packen selbst mit an. Unsere zwei Hektar großen Wingerte werden wir innerhalb von drei Tagen mit zehn fleißigen Helfern lesen. Auch wenn es anstrengend ist und uns im Anschluss alle Knochen weh tun, freuen wir uns immer ganz besonders auf diese Zeit, denn nie sind wir unserem Wein näher, als im Herstellungsprozess. Auch wenn wir alle Hände voll zu tun haben werden, versuchen wir Sie mit Infos und Bildern auf dem Laufenden zu halten. Wäre es nicht spannend, die Herstellung des Weines zu sehen, den Sie zu einem guten Abendessen genießen?

Und was passiert sonst noch im Weinjahr 2019?

Stimmt, das ist noch lange nicht alles. Besuchen Sie unsere Social Media Kanäle Facebook, Instagram, Pinterest oder Twitter und lassen Sie sich dort von uns über unser Weinjahr auf dem Laufenden halten. Dort erfahren Sie alles Wissenswerte über unsere Weine, spannende Aktionen, die wir uns noch ausdenken müssen und über alles mögliche und unmögliche rund ums Thema Wein.

Wir freuen uns auf ein gemeinsames Weinjahr 2019!